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Google+ Die Geisterstadt mit 100 Mio. Zombies

Ein Recap zum Social Media Club am 12.3.2012

Am Abend des 12.3.2012 war der Pressesprecher von Google Deutschland Stefan Keuchel zu Gast beim Social Media Club München (SMCMUC). Der SMCMUC wurde 2009 ins Leben gerufen um eine Networkingveranstaltung rund um das Thema Social Media zu etablieren. An diesem Tag stand aber nicht nur Networking auf dem Programm. Mit dem „heißen Stuhl“ wurde ein neues Konzept ins Leben gerufen, bei dem Gäste den Interviewern und dem Publikum Rede und Antwort stehen müssen.

Das Thema des Abends war „Welche Zukunft hat Google+?“ und als Gast nahm der Pressesprecher von Google Deutschland Stefan Keuchel alias @Frischkopp Platz auf dem heißen Stuhl. Zunächst durfte Keuchel 10 Minuten das Produkt Google+ vorstellen. In Anbetracht der Tatsache dass der überwiegende Teil des Publikums bereits im Besitz eines Google+ Accounts ist, war das sicher für die meisten relativ unspektakulär, da wenig neues dabei war. Im Anschluss an die Präsentation wurde der Googler von Süddeutsche Mitarbeiter Stefan Plöchinger in die Mangel genommen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Doris Schuppe.

Google 2.0

Natürlich wurde ausführlich über die (geringen) Nutzerzahlen Gesprochen, den Vorwurf Google+ sei eine Geisterstadt konterte Keuchel mit der Aussage dass Google+ mittlerweile über 100 Mio. aktive Nutzer verfüge. Bei der Frage an das Publikum wie viele den in den letzten Tagen auf Google+ aktiv waren gingen allerdings deutlich weniger Hände in die Luft als bei der Frage nach einem reinen Google+ Account. Ganze 24 Teilnehmer haben in der letzten Woche fünf oder mehr Postings auf Google+ gemacht.

Keuchel wurde nicht müde zu betonen dass es sich bei Google+ um keine bloße Kopie von Facebook handle. Google+ sei viel mehr das Dach für alle Google Dienste, „das Google 2.0“. Vom Publikum wurden viele Fragen gestellt die man getrost in das Reich des bashing verbannen kann. Die Betreiber von Unternehmensseiten stellen aber natürlich zurecht die Frage warum sie ihre Seite auf Google+ Weiterbetrieben sollen, wenn doch die große Masse an Leuten nach wie vor Facebook bevorzugt.

Qualität der Inhalte als USP?

Etwas merkwürdig war auf jeden Fall die Aussage Keuchels „die Qualität der Konversation habe eine andere Stufe“ bei Google+ als bei Facebook. Das mag im Moment noch zutreffen, doch falls Google+ jemals in Sachen Nutzerzahlen in einer Liga mit Facebook spielen wird werden sie verwundert feststellen dass auch bei Google+ mit der Masse die Qualität der Diskussionen leiden wird. Ein zweifelhafter USP für Google+.

Es sollte jedem klar sein dass Google+ einen Vergleich mit dem ungleich länger am Markt existierenden Facebook (noch) nicht gewinnen kann. Auf der anderen Seite macht sich Google+ beispielsweise durch das Verbot von Gewinnspielen selbst, sowohl für Nutzer als auch für Unternehmen, unattraktiv. Wo wären die ganzen Facebook Fanpages ohne iPhone und iPad Gewinnspiele?

Auswirkungen von Google+ auf die Suche

Für mich als SEO war natürlich von besonderem Interesse ob Google etwas in Sachen Social Search durchsickern lässt. Fakt ist, dass momentan Google+ und +1 keine Auswirkungen auf die Suche bei ausgeloggten Nutzern haben. Mit „search plus your world“ zeigt Google aber dass soziale Signale nicht nur gesammelt, sondern auch ausgewertet werden können. Mit der Aussage “Google kann nicht ewig nur 10 blaue Links anbieten” ist natürlich ausreichend Nährboden für Spekulationen gegeben.

My two cents

Meiner Meinung nach hat Google+ für Google vor allem zwei Aufgaben: soziale Signale sammeln und dafür sorgen dass der Nutzer eingeloggt bleibt.

Solange die Nutzerzahlen bei Google+ so gering sind und Google mit Twitter und Facebook auf keinen grünen Zweig kommt, hat Google einfach nicht genug soziale Signale um sie seriös auf alle Nutzer anzuwenden. Da Google sein Geld nach wie vor fast ausschließlich mit Search verdient, deutet die Aussage dass es keine Planungen gibt die Werbefreiheit bei Google+ abzuschaffen darauf hin, dass Google+ ein Supportmedium für die Cashcow Suche ist.

Fazit

Nach der Diskussion betonte Keuchel noch im Networking dass es das wichtigste für Google sei nicht an Relevanz für den Internetnutzer zu verlieren. Google wird also alles unternehmen um dem User Brot (Search) und Spiele (Social) zu bieten.

Beim nächsten SMCMUC ist übrigens ein Mitarbeiter von Facebook zu Gast. Man darf gespannt sein wie der sich so schlägt, und ob die Fragen aus dem Publikum eine ähnlich negative Grundstimmung wie am vergangenen Montag haben.

Zum Schluss noch die wichtigsten Fakten des Abends im Überblick:

  • 100 Millionen Google+ Nutzer weltweit, davon 50 Millionen täglich aktiv
  • Täglich wird der +1 Button 5 Milliarden mal gedrückt
  • +1 hat NOCH keinen Einfluss auf das Ranking einer Seite in den Suchergebnissen
  • Google wird nach und nach mehr Produkte in Google+ integrieren
  • Unternehmensseiten auf Google+ erhalten bald die Möglichkeit Google Analytics zu integrieren
  • Vanity URLs sind ebenfalls in Planung
  • Es gibt noch keine API um den Newsstream von automatisierten Inhalten sauber zu halten
  • Hangouts sollen bald aufgezeichnet werden können
  • Es gibt keine Pläne für Werbung auf Google+
  • Es wird nicht möglich sein Gewinnspiele auf Google+ zu machen
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2 Gedanken zu „Google+ Die Geisterstadt mit 100 Mio. Zombies

  1. Servus Micha,

    schön zusammengefasst. Ich hab’s grad getwittert:
    http://seox.me/smcmuclivestream

    Nachdem ich G+ nicht mit anderen Services wie Twitter, FB, FourSquare oder meinem Blog verknüpfen kann, habe ich’s erst einmal verlassen. Ich +1 zwar regelmäßig was, aber das war’s auch schon. Ich glaube aber, dass ich häufiger auf Google+ aktiv wäre, wenn ich nicht in meiner Eigenschaft als SEO drauf achte, nicht in Google eingelogged zu sein. Schade; die Funktionen an sich locken mich eigentlich und die Bedienung ist auch schick.

    Noch diese Woche soll verkündet werden, welcher Google Service als Nächstes enger mit der Community verknüpft werden wird. Für Google lohnend wäre auf jeden Fall eine starke integration in Android, Youtube und GMail.

    Bin gespannt
    Benjamin

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