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Tags – Der Hidden (SEO) Champion

Tags als SEO-Werkzeug (Quelle: Marek / fotolia.de)

Dexter – Das ist nicht nur der Titel der äußerst erfolgreichen US-amerikanischen Krimiserie, sondern auch der Vorname des Saxofonisten Dexter Gordon. Um ihn zu ehren trug der Releasename der WordPress Version 2.3 den Namen Dexter. Das ist lange her, ziemlich genau 8 Jahre, verfolgt uns aber noch heute.

Am 24. September 2007 erschien mit Dexter die erste WordPress Version mit nativer Unterstützung für Tags. Tags sind seitdem fester Bestandteil von zahlreichen Webseiten & Blogs und haben mittlerweile viele Namen:

  • Schlagworte
  • Hashtags
  • Themen
  • Uvm.

Das Prinzip bleibt jedoch dasselbe und die Fragen die sie immer wieder aufwerfen ebenfalls.

Zunächst sollte man sich einen Überblick über die Inhaltsarten eines Blogs oder einer Website Verschaffen. Hier bietet sich der Vergleich mit einem Sachbuch an. Über allem stehen die Kategorieseiten, sie bilden das Inhaltsverzeichnis einer Website. Jeder Artikel muss einer Kategorie zugeordnet werden, so wie jeder Text in einem Buch einem Kapitel zugewiesen ist. Wie bereits erwähnt ist der Begriff „Schlagwort“ ein gängiges Synonym für Tag. So findet man am Ende eines jeden Sachbuchs ein Schlagwortverzeichnis, das Themen (Tags) auflistet und die Seitenzahl angibt auf der diese behandelt werden. So weit so logisch. Um das auf eine Website zu projizieren muss man sich noch etwas genauer mit der Frage beschäftigen:

Was sind Tags?

Ein großer Unterschied von Buch zu Web ist die bidirektionale Verbindung von Artikel und Tag. Während beim Buch nur der Weg über das Schlagwortverzeichnis zum Text führt, ist man im Blog mit einem Klick auch vom Artikel ins Schlagwortverzeichnis navigiert. Das Schlagwortverzeichnis bezeichnet in diesem Fall die Seite die durch die Vergabe des Tags erzeugt wird, auf der alle Beiträge mit diesem Schlagwort gelistet werden.

Das verlangt uns eine andere Denkweise ab, denn oft unterliegt man der Versuchung nach Verfassen eines Artikels inflationär Tags zu vergeben ohne deren Relevanz zu prüfen. Das hat im schlimmsten Falls zur Folge, dass der User auf eine Tag-Seite geschickt wird, auf der er ausschließlich den Artikel findet den er ohnehin schon gelesen hat. Wenn man sich näher mit der Frage:

Was unterscheidet Tags von Kategorien?

auseinandersetzt, lassen sich die Stärken und Schwächen von Tags leichter verstehen. Kategorien verfügen in der Regel über folgende Eigenschaften:

  • Sie sind in der Hauptnavigation verankert
  • Sie erscheinen in der Breadcrumb
  • Sie erzeugen Sidewide-Links
  • Sie sind auf Usability- und Platzgründen in ihrer Anzahl limitiert

Nichts davon trifft auf Tags zu. Denn Tags sind:

  • Hoch dynamisch (dazu später mehr)
  • In ihrer Anzahl beliebig skalierbar
  • Metadaten

Ein weiterer Unterschied ist das Tags in der Lage sind die Silos die eine Navigation erzeugt aufzubrechen. Genau hier liegt die Stärke und das riesige Potential der Tags.
Beispiel Twitter: Ohne Hashtags bekäme man bei Twitter ausschließlich die eigene Timeline zu Gesicht. Durch Hashtags kann man seinen Tweet einem Thema zuordnen und den Lesern zeigen dass es noch weitere Tweets zum entsprechenden Hashtag gibt.

Auch bei der Einsatz von Keywords spielen die Unterscheide von Kategorie, Tags und Beiträgen eine Rolle:

Kategorie Tagseite Beitrag
Aktualität * ** ***
Spezifität * ** ***
Wettbewerb *** ** *
Keywordklasse Short Head (1-Wort) Midtail (2-3 Worte) Longtail (> 3 Worte)
Keywordbsp. Technik iPhone Das neue iPhone 6 im Test

Was haben Tags und Kategorien gemeinsam?

Sowohl die Kategorien als auch Tags (die Suche natürlich auch) dienen der Navigation auf einer Website. Beide erzeugen einen Hub, vom dem auf einzelne Artikel verlinkt wird. Vergleichbar auch mit einer Shop Kategorie in der immer automatisch die neusten Produkte erscheinen.

Wie setzte ich sie optimal ein?

Die Skalierbarkeit und große Dynamik machen die Tags bei richtiger Verwendung zu einer wahren (SEO-) Waffe. Sie:

  • verhindern die Kanibalisierung von Artikeln die sich mit dem selben Thema befassen
  • Bündeln Artikel und werden so zu Landingpages auch für umkämpfte Keywords
  • Sind der gemeinsame Nenner aller Artikel die mit dem selben Tag versehen sind erzeugen so eine hohe Relevanz

Um Tags bestmöglich zu nutzen bleiben wir beim Thema Relevanz. Die Relevanz eines Tags ergibt sich aus der Summe der Artikel die mit diesem Schlagwort versehen sind. Im Umkehrschluss bedeutet dies: Je geringer die Anzahl an Beiträgen mit dem selben Tag, umso geringer wird die Relevanz der Tag-Seite, da diese über eine kleinere Menge an Links und Inhalt (auf ihr gelisteten Artikel) verfügt.

Mit der Schnelllebigkeit (Freshness vs. Evergreen Content) und der verstärkten Vertikalisierung der Suchergebnisseiten sollte man sich entsprechend aufstellen um eine größtmögliche Sichtbarkeit in den Suchergebnissen zu erreichen. Ein Blogpost oder News-Artikel kann kurzzeitig Traffic bringen um dann wieder mangels Aktualität in der Versenkung zu verschwinden. Er trägt aber auch dazu bei die Kategorie in der er Aufgehängt ist und die Tag-Seite der er zugehörig ist zu stärken. So kann mit Content der vielleicht eher Traffic über Longtail bringt auch den Short Head unterstützen.

Beispiele

Wie bereits angedeutet lassen sich durch die Vergabe von Tags Themenseiten mit großer Relevanz und hohem Potential erzeugen. Besonders Nachrichtenseiten operieren hier sehr erfolgreich. Die Herausforderung bei umfangreichen Portalen mit hoher Beitragsfrequenz besteht darin die Relevanz der einzelnen Artikel zu Bündeln und einen Hub zu erzeugen, der auch für umkämpfte Keywords organisch Ranken kann.

Bleiben wir bei den Nachrichtenseiten. Wie Zeitungen sind sie in verschiedene Ressorts aufgeteilt (Politik, Wirtschaft, Sport, Lokals…) welche in der Regel auch die Hauptnavigation (Kategorien) darstellen. In einem solchen Seitenaufbau lassen sich aktuelle Themen nur schwer abbilden. Ein Beitrag der sich mit der aktuellen Finanzlage in Griechenland befasst würde wohl dem Navigationspunkt „Politik“ zugeordnet werden – dort tummeln sich aber auch zahlreiche andere Themen die sich nicht im dem Euro befassen und es dem Leser schwer machen zu sehen was die Seite sonst noch zum gesuchten Thema zu bieten hat.

Die Lösung: Eine Themenseite mit dem Namen „Eurokrise“. 5 Ergebnisse auf der ersten Seite bei Google zum Thema Eurokriese bestehen aus solchen Themen-Seiten.

Auch bei zahlreichen anderen Themen lässt sich das beobachten.

Das SERP in SERP Problem

Bereits vor vielen Jahren forderte Google Webseitenbetreiber dazu auf Suchergebnisseiten (SERPs) vom Crawling durch den Googlebot auszuschließen. Im Grunde sind Tag-Seiten nichts anderes als Suchergebnisseiten, sie aggregieren Snippets aus anderen Artikeln und bieten Sie als Liste dem Leser an. Um hier nicht in Konflikt mit den Webmaster Richtlinien zu kommen ist es zu empfehlen seine Themen-Seiten redaktionell anzureichern. Die Ansätze dafür sind sehr unterschiedlich. Während das Magazin t3n mit viel Text tiefergehende Informationen aufbereitet, bietet die Süddeutsche zum Thema Bundesliga Ergebnisse, Tabellen Newsticker und eine Menge weiterführender Links. Auffallend auch die intelligente Verlinkung in der Breadcrumb: Ein Link zeigt auf eine Themenseite (Bundesliga) ein weiterer verweist auf eine Kategorieseite (Sport).

Der einzelne Artikel (das schwächste weil kurzlebigste Glied in der Kette) unterstützt durch Verlinkungen in der Breadcrumb sowohl Kategorien als auch Themen-Seiten. Die Qualitätsunterschiede der Tag-Seiten (vgl. http://www.sueddeutsche.de/thema/Oktoberfest vs. http://www.sueddeutsche.de/thema/Falkland-Inseln) sind allerdings auch bei der Süddeutschen sehr hoch, daran wird deutlich dass eine Menge Handarbeit erforderlich ist um das Optimum herauszuholen.

Fazit

Vernünftig eingesetzt sind Tag-Seiten ein Werkzeug mit nahezu grenzenlosem Potential mit dem man seine Webseite auch außerhalb der normalen Seitensturkur wachsen lassen kann. Angereichert mit entsprechendem Content können so stetig wachsende, hochrelevante Seiten entstehen die dann auch mal in (m)einem Feed Reader landen.

Weiterführende Links:

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